KW88 Pro – Chinesisches Armband-Smartphone

Keine Lust mehr auf das Smartphone? Man kann es sich auch um den Arm binden! Ján hat eine Smartwatch getestet die eigentlich ein Smartphone ist. Oder umgekehrt?

Ich bin jemand, der Smartphones nicht sehr häufig benutzt. Ich bevorzuge billige Android-Handys, weil ich gelegentlich einige Apps verwenden muss, die nur für Android und iOS verfügbar sind. Ich habe mich auch nie für hohe Bildschirmgrößen interessiert, weil das Handy dadurch nur schwerer in eine Tasche passt. Dann habe ich die Gelegenheit gesehen. Ein Handy, eingebettet in eine Uhr, mit Android und allem drum und dran. Derartige Produkte großer Unternehmen nutzen derzeit das Mobilfunknetz nur für Notrufe oder über LTE, aber einige dubiose chinesische Unternehmen bieten eine vollwertige Lösung an. Da ich immer eine Armbanduhr trug, bedeutete das ein elektronisches Gerät weniger, um das ich mich kümmern musste. Also beschloss ich, sie auszuprobieren.

Erste Pleite

Also erkundigte ich mich, was es so gibt. Die größte Auswahl gab es bei AliExpress. Eine der Uhren, die meine Aufmerksamkeit auf sich zog, war eine Smartwatch namens Z01, mit einer vernünftigen Akkulaufzeit und der eher seltenen Möglichkeit, eine microSD-Karte einzusetzen. Ich suchte mir einen Verkäufer aus und kaufte eine. Sie war nicht teuer, also war es einen Versuch wert. Als es so weit war, wurde meine Neugierde schnell von Enttäuschungen verdrängt. Sie lief auf Vanille-Android, mit einer Sammlung aus 5 Zifferblättern, die den Sperrbildschirm ersetzten. Keiner von ihnen sah sehr gut aus. Das Navigieren durch das App-Menü war nervig, weil ich zu oft Icons griff und sie an andere Orte bewegte und ihre Reihenfolge änderte, was es schwieriger machte, das zu finden, wonach ich gesucht hatte. Das Handbuch war in einem schrecklichen Englisch verfasst und grenzte an Unverständlichkeit. Bald folgten weitere Katastrophen, die microSD-Karte wurde permanent schreibgeschützt, nachdem ein Foto darauf gespeichert wurde, und die Smartwatch hörte auf, die SIM-Karte zu erkennen, nachdem sie zum ersten Mal eine Sekunde lang eingesteckt war. Viele Apps konnten nicht installiert werden, da die Installation mit einer kryptischen Fehlermeldung fehlschlug. Auf der anderen Seite war die Akkulaufzeit eigentlich recht gut, das Display war empfindlich genug, um bei so kleinen Buttons zu tippen und das Surfen im Internet funktionierte recht gut.

Hier sollte ich Bilder des gefälschten Z01-Smartphones hinzufügen, aber da die Bilder sehr schlecht waren, überlasse ich es euch, liebe Leser, euch eine fantastische Collage aus minderwertigem Android-Mist vorzustellen…… Wisst ihr was? Ich denke, ihr könnt es ertragen! Hier, bitte schön:

Da sie einen ihrer beiden Hauptzwecke nicht erfüllt und beim anderen versagte, habe ich sie zurückgegeben und eine Rückerstattung erhalten (aber ich musste den Rückversand nach China bezahlen), da der Verkäufer befürchtete, eine schlechte Bewertung zu erhalten. Später fand ich heraus, dass es sich um eine Fälschung handelte. Es gibt eine echte Z01-Uhr, die wahrscheinlich viel besser ist (den Videos zufolge, die ich gefunden habe), diese hatte nur den gleichen Namen und das gleiche Aussehen. Die Marke wurde nirgendwo erwähnt, weil ihre Marke nicht die war, die sie vorgab zu sein, und sie durften keine klaren Lügen schreiben. Alles, was dort geschrieben wurde, war wahr, aber nur wörtlich. Lesson learned, China macht auch Fälschungen von chinesischen Produkten. Beste Grüße und ich hoffe, dass du bald bankrott gehst, RoYvShg Electroni c Store.

Der zweite, erfolgreichere Versuch

Nachdem ich Leitfäden zum Einkaufen bei AliExpress gelesen und aus meinem Fehler gelernt hatte, beschloss ich, es erneut zu versuchen. Ich betrachtete nur die Geschäfte, deren Produkte genügend Bewertungen hatten und deren Bewertungen deutlich machten, dass sie wirklich das Produkt verkauften, das sie zu verkaufen schienen. Ich sah mir Youtube-Videos an, wie sich die Benutzeroberflächen verhalten sollten. Ich prüfte die Rezensionen bei Amazon sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch, manchmal sogar auf Französisch. Dann entschied ich mich für eine Smartwatch namens KingWear KW88 Pro. Ja, der Name ist lächerlich. Und überraschenderweise war sie nicht schlecht.

Wieder das mit der Kartoffelqualität. Ich verspreche, dass die weiteren Bilder von viel besserer Qualität sein werden.

Spezifikationen

Die Uhr verfügt über einen MediaTek-Prozessor mit vier Kernen, 1 GB RAM und 16 GB internen Speicher, von denen 2 GB vom Betriebssystem belegt werden. Auf ihr läuft Android 7.0 (nicht AndroidWear). Der Bildschirmdurchmesser beträgt 400 Pixel, was das Bild aufgrund seiner geringen Größe scharf genug erscheinen lässt. Die Batteriekapazität beträgt 350 mAh. Sie verfügt über alle gängigen Verbindungsmodule (WiFi, Bluetooth und GPS) und kann sich über eine Nano-SIM mit 2G- oder 3G-Mobilfunknetzen verbinden. Sie verwendet einen eigenen Steckertyp, der zum Laden und Kopieren von Dateien an USB-Ports angeschlossen werden kann. Man kann normale Android Apps installieren. Die Kamera hat eine Auflösung von 2 MP. Sie verfügt auch über eine Art Schrittzähler und einen Pulsmesser. Ihre technischen Eigenschaften mit Ausnahme der Batteriekapazität und der Bildschirmgröße sind vergleichbar mit denen von Low-End Android-Smartphones.

Nutzung

Die Größe der Uhr ist vergleichbar mit der vieler anderer großer Smartwatches. Oder großer Uhren. Die derzeitige Mode großer Uhren macht ihre Größe durchaus akzeptabel. Das Band ist nach hinten zum Arm ausgerichtet, so dass es auch an meinem dünnen Handgelenk gut sitzt. Sie sieht recht gut aus, ist aber von schlechter Qualität – ein Stück Schutzglas am Rand löste sich und ließ kurz nach dem Auspacken eine kleine Luftblase herein. Sie ist nicht wasserdicht, aber sie kann ein wenig Schneefall aushalten (und ich war nicht bereit, weitere Experimente in diese Richtung zu machen).

Die auf der Uhr laufende Version von Android hat eine stark modifizierte Benutzeroberfläche, sodass sie auch bei einem so kleinen Bildschirm benutzbar ist. Überraschenderweise sieht sie recht gut aus und ist nicht unruhig. Einige Dinge benötigen mehr Swipes, um darauf zuzugreifen, aber das ist besser, als zu versuchen, winzige Symbole zu treffen. Das Surfen im Internet ist aufgrund der geringen Bildschirmgröße etwas eingeschränkt, kann aber im Notfall genutzt werden.

Telefonate werden über einen Lautsprecher geführt, aber ein Bluetooth-Headset kann angeschlossen werden, um dieses Problem zu lösen. Es lässt sich überraschend gut mit ihr verbinden, im Gegensatz zu meinem Android 5.0 Handy. Sie hat auch einen eher minimalistischen MP3-Player, aber ich fand ihn ausreichend (er ist ein wenig vergleichbar mit cmus unter Linux oder Groove Music von Microsoft).

Das Tippen ist mit meinen dünnen Fingern überraschend gut möglich. Nach ein wenig Übung mache ich nicht viele Tippfehler. Natürlich kann ich nicht schnell tippen, wenn ich zielen muss, und ich kann nur eine Hand benutzen.

mde

Die größte Einschränkung ist die Batterie. Während die Amazfit Bip einen kleineren Akku und einen Monat Akkulaufzeit hat, kann der Betrieb von Android auf einem generischen Prozessor und nicht eines spezialisierten Betriebssystems auf einem Niederfrequenz-Mikroprozessor nicht zulassen, dass ein 350 mAh Akku lange hält. Wenn ich sie nur zur Zeitmessung und zur Verbindung mit dem Mobilfunknetz verwende, kann sie 4 Tage durchhalten. Wenn ich mit einem angeschlossenen Bluetooth-Headset für ein paar Stunden nach draußen gehe und gelegentlich etwas nachsehe, ist die Dauer 3 Tage. Wenn das Bluetooth-Headset 10 Stunden am Tag angeschlossen ist, ohne jedoch viel mehr zu tun, verkürzt sich die Akkulaufzeit auf knapp 2 Tage. Sie kann nur 1 normalen Arbeitstag ausreichen, wenn das Headset den größten Teil des Tages angeschlossen ist, Musik für etwa eine Stunde gehört und ein wenig anderes gemacht wird und der Akku ist nach Feierabend fast leer. Beim Hören von Musik wird der Akku in weniger als 3 Stunden entladen. Aktives Surfen im Internet könnte den Akku noch schneller entladen, aber das ist nicht, wofür es gemacht ist.

Ein weiteres batteriebedingtes Problem ist, dass die Funktion zum Beleuchten des Bildschirms, wenn die Hand angehoben wird, per Software implementiert ist und den Akku ganz erheblich entlädt (wenn sie nichts anderes tut, verdoppelt es den Batterieverbrauch) und es sich daher nicht wirklich lohnt. Die Zeit muss durch Drücken der Taste überprüft werden, was etwas lästig ist.

Das Aufladen des Akkus über einen Laptop-USB-Anschluss von stromlos bis voll aufgeladen dauert etwa 2 Stunden. Der Ladestecker ist eine Gruppe aus vier Kontakten, die mit einem Magneten befestigt sind, der nicht besonders gut haftet.
Obwohl sie über alle Hardware-Features der Amazfit Bip verfügt, gibt es in der integrierten Fitness-App viel vergeudetes Potenzial. Sie bietet nicht einmal die Möglichkeit, die Herzfrequenz regelmäßig zu messen. Möglicherweise könnte eine andere Fitness-App statt dessen verwendet werden, aber sie würde wahrscheinlich den Akku schneller entleeren und wäre nicht so gut in die Benutzeroberfläche integriert.

sdr

Sie kann auch mit einer auf dem Smartphone installierten App über Bluetooth verbunden werden, aber ich habe es noch nicht ausprobiert. Es heißt, dass die Batterie ziemlich schnell entladen wird, wenn man es nicht richtig macht.

Softwarefehler

Die in dieser Uhr enthaltenen Softwarefehler verdienen ein eigenes Kapitel. Ich glaube nicht einmal Bethesda könnte eine höhere Dichte an Bugs hinterlassen als das Team, das die Benutzeroberfläche dieser Uhr programmiert hat.

Der ärgerlichste Fehler, den ich entdeckt habe, ist, dass die Schrittzahl auf dem Schrittzähler manchmal zufällig in absurde Werte übergeht. Meine Schrittzahl ist 3421, ich gehe in die Küche, um Früchtetee zu machen, ich schaue auf die Uhr und…. plötzlich habe ich 63741 Schritte. Das sieht nach undefiniertem Verhalten aus. Das scheint sich kurz nach einem Factory-Reset nicht zu zeigen, aber das hilft kaum.

sdr

Der USB-Anschluss darf standardmäßig keine Dateien übertragen. Das kann in den Einstellungen geändert werden, aber ärgerlicherweise wird diese Einstellung immer wieder auf den Standardwert zurückgesetzt, wenn die Verbindung zur Uhr getrennt wird. Der stille Modus verfügt nicht über Vibrationen, so dass Telefonate nicht mehr wahrgenommen werden können. Die Liste der letzten Anrufe listet nur Telefonnummern auf, nicht die Namen der Kontakte. Die Option, Kontakte mit Google zu synchronisieren, ist im Kontaktmenü nicht zugänglich und muss über eine nicht eindeutige Option in den Einstellungen erfolgen. Es gibt keine Möglichkeit, den PIN-Code der SIM-Karte zu ändern.

Es könnte noch mehr Fehler geben, die ich noch nicht entdeckt habe.

Bewertung

Der Preis lag unter 70€ (oder 150€ bei Amazon), so dass es keinen Sinn ergibt, sie mit High-End-Smartphones zu vergleichen. Ihre technischen Eigenschaften sind vergleichbar mit billigen Smartphones, aber die geringe Bildschirmgröße macht sie weniger benutzerfreundlich (was natürlich physisch nicht zu vermeiden ist). Die kurze Akkulaufzeit ist ein Problem, das alle Android-Handys plagt, aber es scheint mir nicht, dass viel Aufwand in die Optimierung gesteckt wurde.

Auf der einen Seite ist es fantastisch, dass alle elektronischen Geräte in eine kleine Uhr eingebaut sind, wie in diesen Spionage- und Sci-Fi-Filmen, was mein Traum war, als ich noch ein Kind war. Auf der anderen Seite hat es seine Schattenseiten, nicht nur im Zusammenhang mit den Einschränkungen eines kleinen Bildschirms. Wegen der schlechten Akkulaufzeit und der Fehler lautet meine Bewertung 3/5.

Fazit

Armband-Smartphones sind schon lange Teil von Science Fiction, doch obwohl sie mehr können, als Computer vor zwei Jahrzehnten tun konnten, ist die Technologie noch nicht ausgereift genug. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum große Unternehmen nicht daran interessiert sind, sie zu produzieren. Wenn es gemacht wird, hat es lähmende Nachteile, wie etwa eine kurze Akkulaufzeit. Einige Probleme sind aufgrund der Form und Größe unvermeidlich, wie z.B. ein kleiner Bildschirm oder die Unmöglichkeit, Anrufe ohne Lautsprecher oder Headset zu tätigen.

Wenn man nicht sehr gerne Stunden damit verbringt, den Bildschirm eines Smartphones zu berühren, sich nicht daran stört, alle 1-2 Tage wieder aufzuladen und ein Headset zu verwenden, wenn man sich nicht zu Hause befindet, können sie nützlich sein, um die Anzahl der Dinge in den Taschen zu reduzieren. Außerdem ist es sehr cool, mit nur einer Uhr Anrufe zu tätigen und Sachen online nachzusehen. Aber ich empfehle sie nicht für durchschnittliche Smartphone-Nutzer.

 

Dieser Artikel erschien auch auf Michal’s Blog und wurde von André Hahn übersetzt.

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  1. Detlef

    Interessanter Artikel,
    Ich hatte mal vor längere Zeit nach solchen Dingern geschaut, und auch ähnliches gefunden, allerdings sahen diese Teile meist sehr Klotzig aus, und waren ähnlich wie Funktions-Handys mit irgend einer fest verbauter Software versehen. Aber wer wie ich, höchstens mal was sucht, oder nur Telefoniert, oder mal eine Nachricht absondern will, für den den reicht so was eigentlich aus. Allerdings gehöre ich wohl eher zur Spezies Retro, ich habe noch ein Nokia Dickschiff, so ein Teil das man aufschieben kann, und man hat gefühlt den ganzen Schreibtisch mit dabei.

    • Ján Dugáček

      Hallo Detlef,

      Bitte einschüldigt mein schwächer Kenntnis der Deutsche spräche. Dieses Uhr ist grosse, aber nich schrecklich gross. Ich habe grösseren Uhren in letztem Jahr gesehen. Ein Mehrheit den dieses Uhren haben sehr wenigere Funktionen, dass dieses Android-Uhren haben (ehrlich, ich weiss nicht warum die Leute dieses riesiges Uhren nutzen).

      Die Frage ist, was is zu grosse für dich.

  2. Sascha

    Hallo Jan,
    ich habe von Wish eine “Smartwatch” für 20 Euro getestet. Das Teil war eine chinesische Katastrophe :-D. Das Display war derartig schlecht, dass selbst die eingebaute Kamera völlig überflüssig erschien. Auch die Position der Kamera war so unglücklich, dass man damit einfach nichts anfangen konnte. Abgesehen von dem Android aus dem Jahre 1900.
    Auf Grund dieser Erfahrung kann ich dein Fazit nur unterschreiben. Als Spielerei für zwischendurch, aber nicht mehr.

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