Cosmo Communicator – Der Funke sprang nicht über

Die britische Firma Planet Computers baut mobile “Minicomputer”, wie man sie aus den Zeiten des Nokia Communicators kennt. Mit dem neuen Modell, dem Cosmo Communicator will man nun die Welt der Minicomputer mit der der Smartphones verbinden und ein Gerät zur Verfügung stellen, das sozusagen beides ist.

Pierre hat das Glück, als einer der ersten Unterstützer der Indiegogo-Kampagne das Device jetzt schon bekommen zu haben. Nachdem wir uns im Rahmen der Aufnahme der “BlackBerry-History” für die 100. Folge des NerdZoom-Podcasts kurz unterhalten hatten, bot Pierre mir an, das Gerät zu testen und ein Review darüber zu schreiben. 

Da ich seit mehr als 15 Jahren BlackBerry-Geräte nutze – zur Zeit ist das Key2 mein Daily-Driver – bin ich natürlich an allem, was physische Tasten hat, sehr interessiert. Darum nahm ich Pierres Angebot dankend an und hatte so noch vor Weihnachten das Gerät auf dem Tisch und freute mich schon auf’s Ausprobieren. Es kam allerdings etwas anders, als ich erwartet hatte und daran waren einige persönliche Voraussetzungen schuld:

  • Als BlackBerry-Nutzer bin ich eine perfekte Einbindung der Tastatur in das Gerät gewohnt.
  • Meine Smartphone-Nutzung ist geprägt von Kommunikation, Organisation und Social Media.
  • Ich habe verdammt kleine Hände.

Das nur als Vorinformation für das folgende Review. Here we go.

Hardware

Der Cosmo Communicator ist im Grunde ein Mini-Laptop und im Vergleich mit einem Smartphone sehr groß und schwer. Auf der Vorderseite befindet sich ein Panel mit einem Touchscreen, der Kamera mit Blitz sowie eine physische Taste, die sich links und rechts drücken lässt. In dieser Taste sind ein Fingerprint-Reader und zwei LED verbaut. Nach dem Aufklappen wird der Blick auf den Hauptbildschirm und eine physische Tastatur frei. Das Display füllt nicht die gesamte Breite des Geräts aus, auch aufgrund der Kamera bleibt auf beiden Seiten ein schwarzer Rand.

Hier einige technische Daten des Geräts:

Größe171,4 x 79,3 x 17,3mm
Gewicht326g
Batterie4.220mAh mit Fastcharge
ChipsatzMediaTek Helo P70
RAM6GB
ROM/Speicher128GB
Display5,99″
Auflösung2160×1080, 403dpi
Frontpanel1,91″
Hauptkamera (Frontpanel)24MP
Frontkamera (Innenseite)5MP

Herstellerseite mit allen Daten

Das Gerät kann mit Dual-SIM betrieben werden. Alternativ kann man den zweiten Steckplatz auch für eine Micro-SD-Karte zur Speichererweiterung nutzen. Als Zugabe ist auch die Nutzung einer eSIM möglich. Somit könnte man eine physische SIM, eine Micro-SD und eine eSIM im Communicator verwenden. Die Nutzung der eSIM als dritte Mobilfunkkarte ist nicht möglich.

Das System

Auf dem Gerät werkelt ein Android 9 mit einigen Anpassungen für die spezielle Hardware des Geräts.

Der Hersteller hat eine Dual-Boot-Option angekündigt, mit der man neben dem ausgelieferten Android noch bis zu drei weitere Systeme installieren und booten kann: Android, Sailfish, Linux (Kali, Debian). Die Option ist momentan noch nicht verfügbar und wird durch ein Systemupdate nachgeliefert.

Der Akku leistet 4.220mAh, während meines Tests reichte das, um locker über den Tag zu kommen. Allerdings fiel mir auf, dass auch bei kompletter Nichtnutzung (Gerät war angeschaltet und im WLAN) der Akku nach spätestens eineinhalb Tagen leer ist.

Planet hat dem Cosmo ein Dock für Anwendungen spendiert, das man auch jederzeit über eine Spezialtaste auf der Tastatur aufrufen kann. Legt man hier seine Lieblings-Apps ab, hat man diese immer schnell im Zugriff.

Über das Dock kann man auch die Ausrichtung des Displays ändern.

Da das Gerät ja meistens im Landscape-Modus benutzt wird, ist die Funktion sehr nützlich, mit der man das Display teilen und zwei Anwendungen nebeneinander laufen lassen kann.

Apps

Natürlich kann man auf dem Gerät über den Google Playstore oder alternative Stores die ganze Fülle der Android-Apps nutzen. Bei den meisten Apps muss man allerdings auf eine Integration mit der Hardware-Tastatur verzichten. Auch sind viele Apps einfach nicht dafür ausgelegt, im horizontalen Modus genutzt zu werden, der beim Communicator aufgrund der Bauweise der Quasi-Standard ist. Planet liefert einige Produktivitäts-Apps mit, die an die Hardware des Geräts besser angepasst sind. Diese Apps kamen auch schon beim Vorgänger “Gemini” zum Einsatz.

E-Mail

Die App “Airmail” ermöglicht die effektive Verwaltung eurer E-Mails. Die App bietet eine Unified-Inbox, in der die Mails aller Konten zusammen angezeigt und bearbeitet werden können. Alternativ können auch die jeweiligen Mailkonten einzeln aufgerufen werden. Hier sind auch einige Aktionen über die Tastatur möglich. Diese werden komfortabel in der UI der App angezeigt.

Kalender

Der Kalender hat mir von den mitgelieferten Apps am besten gefallen. Er ist perfekt an den horizontalen Bildschirm angepasst. Neben dem Google-Kalender können auch weitere Kalender über Caldav eingebunden werden (ich nutze dazu meine Nextcloud). Leider ist es mir nicht gelungen, die Aufgaben aus meiner Nextcloud, die ebenfalls über Caldav synchronisiert werden, in die integrierte Todo-Verwaltung der App einzubinden.

Notizen

Auch die Notizen-App ist gut an die Hardware angepasst. Allerdings ist hier keine Synchronisation mit Online-Diensten, wie zum Beispiel Nextcloud, möglich.

Browser

Es gibt einen speziellen Browser des Herstellers, bei dem ich jedoch keine besonderen Zusatzfunktionen feststellen konnte.

Frontpanel

Um aus dem Mini-Laptop einen Smartphone-Ersatz zu machen, hat der Cosmo Communicator ein Frontpanel erhalten, in dem ein ca. 2″ großes Amoled-Touchdisplay integriert ist. Das Panel kommt mit einer eigenen Firmware, ist also quasi ein zweites Gerät, welches vom Hauptgerät angesprochen wird. Über das Panel werden Uhrzeit, Datum und eingegangene Pushnachrichten angezeigt. Über den Touchscreen kann man diese antippen und zum Teil auch lesen.

Für manche Benachrichtigungen muss man zum Weiterlesen den Cosmo öffnen. Mit Wischgesten oder der physischen Taste kann man zusätzliche Funktionen aufrufen. So kann man zum Beispiel über die Kontakte Anrufe tätigen, ohne das Gerät zu öffnen. Auch das Stummschalten von Benachrichtigungen oder die Steuerung der Medienwiedergabe ist so möglich. Beim Einschalten der Taschenlampe sollte man vorsichtig sein, denn man schaut ja beim Einschalten direkt auf den eingebauten Blitz. Immerhin zählt der Cosmo 3 Sekunden auf dem Frontpanel herunter, bevor er einem die Augen weglasert.

Tastatur

Die Tastatur macht einen soliden Eindruck, die Tasten sind relativ groß und haben einen guten Druckpunkt. Für die Arbeit in dunklen Umgebungen hat das Keyboard eine Hintergrundbeleuchtung, die man in verschiedenen Helligkeitsstufen dimmen kann. Das Testgerät hat ein QWERTZ-Layout, allerdings fehlen Umlaute und die Tasten für das “,” und den “.” liegen untereinander anstatt nebeneinander (ein Umstand, der es dem gewohnten 10-Finger-Blindschreiber relativ unmöglich macht, flüssig zu schreiben, aber dazu gleich mehr). Über die Funktionstaste kann man verschiedene Sonderfunktionen erreichen, wie z.B. die Lautstärke, einen Screenshot anfertigen, die Android-Einstellungen aufrufen, die Hintergrundbeleuchtung der Tastatur einschalten und dimmen und vieles mehr.

Wie schlägt sich der Cosmo Communicator im Alltag

Ich würde jetzt gern schreiben, dass ich den Cosmo während des Tests ständig benutzt habe und ihn sogar mal einige Zeit als Daily-Driver eingesetzt habe. Leider kam es etwas anders, denn einige Dinge an dem Gerät haben mich leider so genervt, dass sich bei mir keine Begeisterung eingestellt hat und das Verlangen, den Cosmo ständig in die Hand zu nehmen, nur sehr begrenzt vorhanden war.

Wo fangen wir an? Vielleicht bei der Größe. Wie ich oben einleitend schon schrieb, habe ich sehr kleine Hände. Da kann der Cosmo nichts dafür, aber schon nach kurzer Zeit merkte ich, dass das ergonomisch für mich nicht passt. Wenn ich den Communicator in beiden Händen halte, komme ich nicht mit den Daumen bis an die mittleren Tasten, ohne jedesmal Angst zu haben, das Ding fallen zu lassen. Ein flüssiges Schreiben ist im “in-der-Hand”-Modus so für mich nicht möglich, ganz zu schweigen davon, Tastenkombinationen mit der Funktionstaste zusammen zu nutzen (oder einfach nur Großbuchstaben zu tippen).

Also muss ich, um ihn vernünftig zu bedienen, den Cosmo immer irgendwo auf irgendeine Ablage stellen. Mal kurz unterwegs eine Nachricht zu beantworten oder einen Tweet abzusetzen ist für mich so fast nicht möglich.

Zur Benutzung muss man den Communicator ja ab und an auf- und zuklappen. Der Mechanismus und die dazu angebrachten Magneten sind allerdings so stark, dass ich mir beim Zuklappen mehrmals die Haut an den Fingern eingeklemmt habe. Zudem entsteht dadurch beim Zuklappen ein sehr lautes Geräusch, wenn man es nicht mit äußerster Vorsicht durchführt.

Zum Entsperren bietet das Gerät auf der physischen Taste einen Fingerprint-Sensor an. Bei der Einrichtung der Fingerabdrücke wunderte ich mich, denn ich musste den jeweiligen Finger lediglich zwei- bis dreimal auf den Sensor legen, schon war die Einrichtung abgeschlossen. Das bin ich von anderen Smartphones anders gewohnt und ihr sicher auch. Die Folge ist dann auch, dass die Erkennung des Fingerabdrucks sehr ungenau ist und man den Finger immer mit der Stelle auf den Sensor legen muss, an der man ihn auch eingerichtet hat. Wenn der Cosmo dann noch aufgeklappt ist und man den Sensor mit dem Finger blind auf der Rückseite ertasten muss (habe ich schon meine kleinen Hände erwähnt?), wird das Entsperren des Geräts zum Glücksspiel.

Man kann natürlich auch das Kennwort anstatt den Fingerabdruck nutzen, wenn man den Cosmo nicht im Dunkeln benutzen möchte. Denn die Hintergrundbeleuchtung der Tastatur ist nicht automatisch angeschaltet, wenn man das Gerät öffnet. Man kann sie aber mit einer Tastenkombination einschalten, wenn man die Taste denn im Dunkeln findet.

Überhaupt die Tastatur: Als BlackBerry-Nutzer bin ich an präzise Tastaturen gewöhnt, auf die ich mich verlassen kann, obwohl die Tasten wesentlich kleiner sind, als beim Cosmo. Die Tastatur des Geräts hat sich bei mir als äußerst unzuverlässig erwiesen. Sehr oft wurden Tastenanschläge nicht oder doppelt ausgeführt, gerade wenn ich schnell mit 10 Fingern geschrieben habe (das klappte immerhin dank meiner kleinen Hände ganz gut). Dadurch musste ich ständig die geschriebenen Texte nachkorrigieren. Ein weiterer Schwachpunkt ist die Anordnung von “.”- und “,”-Taste. Diese liegen, wie ich oben schon geschrieben habe, nicht neben- sondern untereinander. Beim flüssigen Tippen mit 10 Fingern sorgt das leider dafür, dass man sich bei jedem Satzzeichen vertippt oder irgendeine Taste trifft, die da unten irgendwo in der Nähe ist.

Ebenfalls ärgerlich ist, dass die Tastatur keine Funktionen für Autokorrektur oder Wortergänzungen unter Android anbietet. Für mich eigentlich selbstverständliche Eingabehilfen, wie die Großschreibung am Anfang von Sätzen oder eine Wortergänzung bzw. Autokorrektur ist schlicht nicht vorgesehen. Hier verhält sich der Communicator wie ein normaler Laptop, was bei der kleinen Tastatur und einer doch eher vorgesehenen mobilen Nutzung nicht optimal ist. Zumindest ein optionales Einschalten solcher Funktionen erwarte ich von einem solchen Gerät. 

Es gibt – manchmal – eine Vibration beim Tastenanschlag, das heißt, er ist mal vorhanden und mal nicht, hier habe ich auch keine Möglichkeit gefunden, das ganze abzuschalten.

Hinzu kommen viele, viele kleine Fehler, die immer wieder eine flüssige Bedienung des Geräts verhindern und den Nutzer staunend zurücklassen. Beispiele gefällig?

  • Wenn das Gerät über die Tatstatur angeschaltet wird, ist das Frontpanel oft nicht in Betrieb und zeigt nur das Planet-Logo. Erst nach einem erneuten Reboot funktioniert es.
  • Entsperrt man das Frontpanel über den Fingerprint und öffnet danach das Gerät, muss man auf der Android-Ebene nochmal entsperren.
  • Wenn man Benachrichtigungen über die Android-Funktion stumm schaltet, werden sie auf dem Frontpanel angezeigt, in der Android-Oberfläche jedoch nicht. Der Mail-Client missachtet die Stummschaltung meistens und macht fröhlich weiter Geräusche.
  • Das Frontpanel reagiert manchmal nicht oder sehr verzögert auf Touch-Bedienung. Auch die Anzeige des Kamerabildes für die Aufnahme von Selfies ruckelt sehr.
  • Die Taste auf dem Frontpanel: W warum kann man rechts und links drücken und was passiert eigentlich wann? (Spoiler, es ist nicht immer vorhersehbar.)
  • Schaltet man die Hintergrundbeleuchtung der Tastatur an und benutzt den Cosmo eine Weile nicht, schaltet sich das Display aus, die Beleuchtung der Tastatur bleibt an.

Fazit

Wer sich bis hierher mit mir durchgekämpft hat, den wird mein Fazit zum Cosmo Communicator nicht überraschen. Das Gerät ist nichts für mich. Das liegt noch nicht mal an den vielen kleinen Fehlern und Macken, die sicher noch mit den nächsten Firmwareupdates behoben werden können. Mein größtes Problem mit dem Gerät ist wohl der Formfaktor. Dadurch, dass ich den Cosmo nicht mal schnell unterwegs aus der Hand bedienen kann, habe ich einfach zu wenig Use-Cases. Wenn dann noch so kleine Fehler ständig nerven, macht es auch einfach wenig Spaß, sich noch näher mit einem Device zu beschäftigen. Ich habe mein Möglichstes gegeben.

Sicherlich ist das ein sehr persönliches Empfinden von mir und eventuell waren meine Erwartungen als alter BlackBerry-Hase auch falsch gesteckt. Es gibt bestimmt Leute da draußen, die ein solches Gerät eher verwenden wollen, weil es in ihren Workflow passt.

Noch kurz zum Schluss zwei Dinge, die ich mit dem Gerät nicht gemacht habe: Der Cosmo hat zwei USB-C Schnittstellen, die auch zur Videoausgabe genutzt werden können. Man könnte also z.B. einen externen Bildschirm oder andere Hardware anschließen. Das habe ich mangels passender Hardware und Kabeln nicht testen können.

Der Cosmo wird später eine Option erhalten, mit der man mehrere Systeme installieren und diese beim Booten auswählen kann. Es wird dann auch möglich sein, ein Linux-System neben dem Android zu betreiben, was sicherlich eine spannende Sache ist. Diese Funktion wird noch per Systemupdate nachgereicht werden.

P.S.

Wenn du dich für kleine und handliche Mini Laptops interessierst, dann schaue dir doch mal unseren Video Testbericht zum GPD Pocket an!

Administriert in einer Bank, ist Aushilfspodcaster, mag Technik, Linux, Bloggen und manchmal in der Gegend rumlaufen.

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